Biographie Karl Paulmaier

Wehrmachtssoldat Karl Paulmaier in der Uniform eines Gefreiten
Wehrmachtssoldat Karl Paulmaier in der Uniform eines Gefreiten (Bild: Familienbesitz)

Karl Paulmaier wurde am 31. August 1919 in Weihungszell (Württemberg) geboren. Nach der Volksschule arbeitete er als Waldarbeiter, in einer Fabrik, sowie in der Landwirtschaft seiner Eltern. 1938 kam er für ein Jahr zum Reichsarbeitsdienst (RAD). Als im September 1939 Hitlers Wehrmacht in Polen einmarschierte, war er gerade zum Militär eingezogen worden. Der Soldat nahm 1940 am Frankreich-Feldzug teil, anschließend war er im besetzten Polen stationiert. Im Juni 1941 gehörte Paulmaier zu einer Einheit, die am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt war. Nach eigenen Aussagen wurde er vor allem beim Pferde-Tross eingesetzt, nahm aber auch an Kampfeinsätzen teil.

Von 1941 bis 1943 hatten die Behörden Paulmaier vom Militär freigestellt, er half in der Landwirtschaft seiner Eltern mit. Kurz nachdem er 1943 wieder in die Sowjetunion zurückgekehrt war, zerstörte ein Granatsplitter sein rechtes Auge. Im Lazarett setzten die Ärzte ein Glasauge ein, anschließend wurde er nach Hause entlassen. Der Heimat-Aufenthalt war nicht von langer Dauer: Anfang 1945 kehrte der einäugige Paulmaier an die zusammenbrechende Ostfront zurück.

Am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, nahmen ihn Einheiten der Roten Armee bei Deutschbrod (Tschechien) gefangen. Paulmaier überlebte mehrere Lager, in denen infolge der niedrigen Essensrationen unzählige Kriegsgefangene starben. Im Frühjahr 1946 wurde Paulmaier in ein Lager bei Rostow am Don verlegt. Offenbar halfen ihm seine Kenntnisse im Umgang mit Pferden: Er arbeitete auf einer Kolchose, einem landwirtschaftlichen Betrieb, wo er Transporte übernahm und Nahrungsmittel organisieren konnte.

Im Zuge der Massenverurteilungen von deutschen Kriegsgefangenen um die Jahreswende 1948/49 verurteilte ihn ein Militärtribunal zu 25 Jahren „Besserungsarbeitslager“. Paulmaier wurde vorgeworfen, als Wehrmachtsangehöriger in der Nähe von Melitopol Zivilisten erschossen zu haben. Er selber gab jedoch an, zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr dieser Einheit angehört zu haben.

Als verurteilter Kriegsverbrecher verlegten die Sowjets Paulmaier 1950 in ein Lager bei Swerdlowsk, wo er in einer Röhrenfabrik arbeiten musste. In den kommenden Jahren konnten die meisten deutschen Kriegsgefangenen nach Deutschland zurückkehren. Paulmaier kam dagegen 1953 in den Gulag-Lagerkomplex Workuta. Dort schuftete er in den berüchtigten Kohleschächten. Im Frühjahr 1954 wurde er wie andere Verurteilte in das Asbest-Lager verlegt.

Nachdem Bundeskanzler Konrad Adenauer 1955 in Moskau die Freilassung der verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen vereinbart hatte, kehrte auch Paulmaier in seine Heimat zurück. Er gehörte zu den 452 nichtamnestierten „Kriegsverbrechern“, die am 14. Januar 1956 in der Bundesrepublik eintrafen. Am 16. Januar wurde er in seiner Heimatgemeinde Sießen im Wald freudig empfangen.

Zunächst lebte er wieder bei seiner Mutter in Weihungszell. Im November 1956 heiratete er Maria Jans, das Ehepaar lebte fortan in Orsenhausen. Die Paulmaiers hatten mehrere Kinder und Enkel. Noch 1956 hatte Paulmaier eine Arbeitsstelle beim Brennerhersteller Weishaupt in Schwendi gefunden. Bis zu seiner Pensionierung 1982 war er in dem Betrieb tätig, zuletzt in der Werkzeugausgabe.

Karl Paulmaier war wegen seiner warmherzigen Art sehr beliebt. Er nahm mit seiner Frau am Gemeindeleben teil. Der Musikverein Hörenhausen ernannte ihn wegen seiner Verbundenheit zur Blasmusik zum Ehrenmitglied. Am 3. November 2002 – zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau – starb er im Alter von 83 Jahren.