Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion

Gefangene Rotarmisten
Sowjetsoldaten bei ihrer Gefangennahme durch die Deutschen 1942 (Bild: Bundesarchiv)

Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Es wurde ein brutaler Vernichtungskrieg, dem sowjetische Militärangehörige genauso wie Zivilisten zum Opfer fielen. Die Propaganda des Dritten Reiches stellte den Überfall als Präventivschlag gegen die Bedrohung durch den „jüdischen Bolschewismus“ dar. Gleichzeitig sollte „Lebensraum im Osten“ für deutsche Siedler erobert werden. Die dort lebenden Menschen wurden als Angehörige „minderwertiger“ Rassen betrachtet. Die besetzten Gebiete wurden rücksichtslos ausgebeutet, der Hungertod von Millionen Menschen war einkalkuliert.

Wehrmacht und Waffen-SS missachteten in der Sowjetunion alle internationalen Vereinbarungen zum Schutz von Kriegsgefangenen und Verwundeten. Von mehr als 5 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen, die in deutsche Hände fielen, starben rund 3 Millionen. Die meisten kamen durch Verhungern und gezielte Vernachlässigung ums Leben, viele aber auch durch Erschießungen, etwa im Rahmen des „Kommissarbefehls“.

Sowjetische Kriegsgefangene in einem deutschen Lager hinter Stacheldraht, 1942.
Sowjetische Kriegsgefangene in einem deutschen Lager hinter Stacheldraht, 1942. (Bild: Bundesarchiv)

Sowjetische Kriegsgefangene wurden in Deutschland zur Zwangsarbeit herangezogen. Damit sollte ein Teil des hohen Bedarfs an Arbeitskräften gedeckt werden, insbesondere in der Rüstungsindustrie. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden knapp 3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene aus dem Operationsgebiet der Wehrmacht deportiert. In den über das ganze Reichsgebiet verteilten Kriegsgefangenenlagern wurden die sowjetischen Gefangenen schlechter behandelt als Angehörige anderer Nationen, auch ihre Todesrate war deutlich höher.

Die Sowjetunion hatte die größte Opferzahl des Zweiten Weltkrieges zu beklagen: Schätzungen gehen von mindestens 25 Millionen Toten aus, die Mehrheit von ihnen waren Zivilisten. Im Kontext des „Kalten Krieges“, als in der Bundesrepublik weiter die „bolschewistische Gefahr“ beschworen wurde, wurde diese Tatsache bewusst verdrängt.

Themen-Artikel: Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion

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